Peter Gehlmann

Pseudo Getreide und Hashimoto

Sind Pseudo Getreide gut bei Hashimoto Thyreoiditis?

Kennst Du Quinoa, Amarant oder Buchweizen?

Das alles sind Pseudogetreide und diese werden häufig als Getreidealternativen verwendet, vor allem als Beilage oder Auflaufbestandteil anstelle von Nudeln oder Kartoffeln. Auch in Desserts, Kuchen, Gebäck und Snacks finden sie Verwendung.

Vor allem mit einer Autoimmunkrankheit (Hashimoto, Diabetes usw.) ist es empfehlenswert auf jegliches Getreide zu verzichten. Alternativen gibt es ausreichend. Die sog. Pseudogetreide sind da zum Beispiel super geeignet! Oder doch nicht? Ich kläre Dich in diesem Beitrag einmal darüber auf…

 

Die vier bekannten Pseudo- Getreide unterscheiden wir nach ihrer Herkunft:

 

  • Pseudo-Getreide aus Süd-Amerika:
    • Amarant
    • Quinoa
    • Canihua
  • Pseudo-Getreide aus Zentralasien und Afrika:
    • Buchweizen

Eigenschaften der Pseudo-Getreide:

 

  • Hoher Proteinanteil, mit allen essentiellen Aminosäuren
    • Reich Mineralstoffen:
    • Magnesium, Eisen, Vitamin B6, Zink, Kupfer: in Amarant, Quinoa, Buchweizen
    • Kalium, Calcium: in Amarant, Quinoa
    • Vitamin B2: in Amarant, Buchweizen
    • Phosphor, Vitamin B1: in Amarant
  • Glutenfrei (daher nur bedingt zum Backen geeignet)

Samen sind Jäger-und-Sammler-Nahrung.

 

Wie sieht es mit den Samen der Pseudo-Getreide aus?
Da die Pseudo-Getreide aus Zentralasien bzw. Amerika stammen, gilt es dort nach Belegen für ihre Verwendung zu suchen.

 

Buchweizen – hier ein paar Fakten zu den Buchweizen!

 

Ursprung:

Buchweizen stammt aus Zentralasien. Verschiedene Buchweizensorten findet man auch im östlichen Afrika. Beides sind ursprüngliche Jäger-und-Sammler-Verbreitungsgebiete. Im „Pleistocene Garden“ der La Brea Tar Pits in Los Angeles, USA, wird die eiszeitliche Flora in Amerika von vor 10.000 bis vor 40.000 Jahren dargestellt. Die Zeit, in der Jäger und Sammler in Amerika lebten. Im Pleistocene Garden befindet sich Buchweizen.

Ein Großteil indigener Gruppen hat das Wissen zur Nutzung von Buchweizen für Ernährung und Medizin aus den Jäger-und-Sammler-Zeiten bis heute
bewahrt:

  • Traditionell verwenden Menschen im Distrikt Rudraprayag (Indien) Buchweizensamen zu besonderen Feiern, Buchweizenblätter werden auch als Gemüse gegessen (Chandra 2013).
  • Für Buchweizen wurden positive Effekte gegen eine Diabetes und Insulinresistenz gezeigt (Gao, T. et al. 2001; Kawa et al. 2003). Zurückzuführen ist das auf den hohen Gehalt an den antioxidativen Substanzen wie Rutin und Quercetin. Die Samen des Tatarischen Buchweizens werden bspw. in Taiwan zur Behandlung von Diabetes Typ 2 eingesetzt (Lee, C.-C., et al. 2012)

Canihua und Quinoa

 

Gänsefüße (Chenopodium) gehören zur Familie der Fuchsschwanzgewächse. Diese umfassen viele Nutzpflanzen wie Spinat, Rübe, Mangold – also kein Getreide 😉 .

  • Australische Aborigines verwenden den Gänsefuß Chenopodium rhadinostachyum
  • Canihua (Chenopodium pallidicaule) ist, wie Quinoa (Chenopodium quinoa) ebenfalls ein Gänsefuß.

Anti-Nährstoffe

 

Dienen Pflanzenstoffe nicht der Energiegewinnung oder als Baustoff dann, werden sie als „Sekundäre Pflanzenstoffe“ bezeichnet. Sie schützen vor UV-Licht, extremen Temperaturen oder dienen zur Abwehr von Fressfeinden. In Getreidesamen und Hülsenfrüchten sind relativ viele solcher Substanzen enthalten, welche Fressfeinde abwehren, um den Pflanzenembryo zu schützen.

 

Bislang standen viele der möglicherweise schädigenden Wirkungen, auch auf den menschlichen Darm oder Blutzellen, im Vordergrund. Daher bezeichnete man diese Stoffe als „Anti-Nährstoffe“. In den letzten Jahren wurden jedoch vermehrt die positiven Effekte auf das Immunsystem, bei der Abwehr von Entzündungen, Tumoren, Pilzen oder auch der Schutz vor Zuckerkrankheit oder auch der Anreicherung von Schwermetallen untersucht.

 

Betrachtet man nun die „Anti-Nährstoffe“ im Zusammenhang mit den Pseudo-Getreiden, so ist ihr Anteil eher gering und lässt sich durch Wässern bzw. Kochen weitestgehend reduzieren.

Möglichen schädigenden Wirkungen der sekundären Pflanzenstoffe stehen positive Wirkungen gegenüber und der Einsatz von Pseudo-Getreide (Samen, Blätter, Spross) als medizinische Nahrung bei indigenen Stämmen, die für eine gesundheitsförderliche Verwendung sprechen.

 

Kohlenhydrat- und Energiegehalt

 

Doch was ist mit der Annahme, dass Pseudo-Getreide besonders kalorien- und kohlenhydratreich seien?

Auf den ersten Blick stimmt dies, denn wenn man sich die Werte pro 100 g Nahrungsmittel miteinander ansieht, dann liegen die Werte für Pseudo-Getreide über denen für Süßkartoffel, die neben Pseudo Getreiden,  beispielsweise oft auf  meinem Speiseplan steht.

 

Jedoch lohnt sich ein genauerer Blick auf die tatsächliche Ess-Bilanz. Während in den typischen Rezepten in etwa 250 bis 350 Gramm Süßkartoffel pro Portion verwendet werden, sind dies nur ca. 40-50 Gramm Pseudo-Getreide, da durch Kochen in Wasser das Volumen und Gewicht erhöht werden.

Dies bedeutet also, dass eine Portion Buchweizen, Quinoa oder Amarant deutlich weniger Kalorien und Kohlenhydrate pro Portion mit sich bringen als eine Süßkartoffel-Beilage:

 

Oftmals werden Pseudo-Getreide tendenziell vom Speiseplan gestrichen. Dies wird begründet mit eben (wie eben angesprochen) einem hohen Kohlenhydratanteil und den in den Samen vorkommenden Antinährstoffen wie Phytinsäure, Lektine und Protease-Inhibitoren.

Diese Argumente sagen allerdings noch nicht aus, ob Pseudo-Getreide von Jägern und Sammlern genutzt wurden, also paläolithische Nahrungsmittel sind, oder nicht. Ob sie also wirklich für Dich geeignet sind oder nicht, das kannst Du selbst für Dich entscheiden – ich möchte da keinem etwas vorschreiben… 😉


Mein Fazit

 

Samen sind Jäger-und-Sammler-Nahrung. Die Samen der Pseudo-Getreide werden bei indigenen Stämmen, die das Wissen aus der Jäger-und-Sammlerzeit bewahrt haben (ebenso wie Blätter und Spross) als Nahrungsquelle und für medizinische Zwecke genutzt. Pseudo-Getreide sind daher in einer gesunden  Ernährung sehr nützlich.

 

Die enthaltenen „Antinährstoffe“ haben nicht nur möglicherweise schädigende Wirkung, sondern auch positive Effekte. Sie werden durch die typische Zubereitungsform (waschen, kochen) stark reduziert. Menschen mit Darmerkrankungen oder Autoimmunkrankheiten sollten hier, wie für andere Lebensmittel auch, die individuelle Verträglichkeit testen!

 

Die Kohlenhydrat- und Energiebilanz der Pseudo-Getreide ist, auf Portionsgröße berechnet, erheblich günstiger als für andere stärkehaltige Beilagen wie Süßkartoffel.

 

Wer sein Gewicht reduzieren will, sollte kleine Portionen verwenden.

 

Bei einer sachgerechten Zubereitung (geschälte Buchweizenkörner, waschen von Quinoa und kochen aller Pseudo-Getreide) spricht zusätzlich der hohe Gehalt an Protein und Mineralstoffe für die Verwendung auf dem Paleo-Speiseplan gesunder Menschen.

In meinen Rezepten hast Du sicher festgestellt, ich nutze vorzugsweise Quinoa ;-)meinem